Welcher Schallschutz ist aus fachtechnischer Sicht im Wohnungsbau im Jahr 2014 geschuldet?

Fehlt es zwischen Bauherr und Planer oder Ausführenden an einer Vereinbarung über ein Schallschutzsoll, werden häufig Anforderungen und Kennwerte aus DIN-Normen und VDI-Richtlinien als Maßstab herangezogen. Letztendlich ist aber zumindest eine Ausführung der Bauteile nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik geschuldet. DIN-Normen und VDI-Richtlinien können die allgemein anerkannten Regeln der Technik widerspiegeln. Sie können aber auch hinter ihnen zurückbleiben, was insbesondere im Schallschutz bei der DIN 4109 Ausgabe 1989 zurzeit der Fall ist. Dazu hat der BGH festgestellt, dass die derzeit immer noch gültige DIN 4109-89 nicht den Mindestanforderungen an den Schallschutz widerspiegelt, den der Erwerber einer Wohnung oder Doppelhaushälfte als üblichen Qualitäts- und Komfortstandard erwarten darf (BGH, Entscheidung vom 14.06.2007 – VII ZR 45/06 – juris Rn. 32).

Allgemein anerkannte Regeln der Technik (a.R.d.T.)

Nach heute allgemeiner Auffassung stellen die allgemein a.R.d.T. die Summe der im Bauwesen anerkannten wissenschaftlichen und handwerklichen Erfahrungen dar, die durchweg bekannt und als richtig und notwendig anerkannt werden. Da die technische Entwicklung ständig fortschreitet, verändern sich auch die allgemein anerkannten Regeln der Technik (vgl. von Berchem, Stand der Technik – Allgemein anerkannte Regeln der Technik in Beratende Ingenieure, Mai 2004, Seite 43). Es ist damit also stets eine echte Anerkennung in der Theorie und Praxis erforderlich. Die a.R.d.T. muss in der Wissenschaft anerkannt und damit theoretisch richtig sein; sie muss ausnahmslos wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen und sich in der Praxis restlos durchgesetzt haben. Es ist nicht erforderlich, dass diese schriftlich niedergelegt ist. Aus meiner fachtechnischen Erfahrung lagen und liegen die zurzeit in ausgeführten Bauvorhaben unter Beachtung der a.R.d.T. erreichten Schalldämmungen, geringfügig unterhalb der Kennwerte der Schallschutzstufe II (SST II) der VDI 4100-2007, d.h. wenn die Kennwerte der SST II erreicht werden, wurde das Bauvorhaben mit hoher Sicherheit aus schalltechnischer Sicht nach den  a.R.d.T. errichtet. Die a.R.d.T. werden jedenfalls nicht durch neue DIN Normen oder VDI Richtlinien geschaffen die a.R.d.T. sind das, was am Bau regelmäßig praktiziert und umgesetzt wird, unter Fachleuten unumstritten ist und zu bauphysikalischen Eigenschaften mittlerer Qualität und Güte führt. Also das, was ein Erwerber ohne etwas besonderes vereinbart zu haben, erwarten kann.

VDI Richtline Ausgabe Obtober 2012

Im Oktober 2012 erschien die VDI 4100-2012. In dieser VDI Richtlinie wurden neue Kenngrößen eingeführt und die Kennwerte aller Schallschutzstufen angehoben. Aus meiner fachtechnischen Sicht spiegelt die SST I in etwa die zu erwartenden Schalldämmungen wider, die bei einer Ausführung nach den allgemein a.R.d.T. zu erwarten sind. Entsprechend spiegeln die SST II und III ein erhöhtes bzw. ein hohes Schallschutzniveau wider. Die Einhaltung der Kennwerte der SST II aus der VDI 4100-2012 allein durch eine Ausführung nach den anerkannten Regeln der Technik ist jedenfalls im Jahr 2014 nicht zu erwarten.